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Arme Konsum-Opfer oder machtvolle VerbraucherInnen?

Ein Kilo Kaffee für 60 Euro? Und gleichzeitig das T-Shirt für 8 Euro? Das Konsumverhalten der Spezies Mensch ist bisweilen sonderbar.

Verbraucher haben eine eigene Verantwortung und können sich über ihre Ernährung informieren, sagt die Lebensmittelindustrie. Verbraucher erhalten von der Lebensmittelindustrie kaum brauchbare Infos, sagt die NGO „foodwatch“. Was ist nun richtig?

Die Wahrheit – sofern es sie gibt – liegt wohl wie so oft irgendwo zwischen diesen beiden Extremen. Es stimmt natürlich, dass VerbraucherInnen die Deklarationen studieren können, bevor sie Lebensmittel kaufen. Genauso richtig ist, dass wir jedes Mal, wenn wir den Geldbeutel zücken oder den Bestellbutton anklicken, eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung darüber, was und vor allem wen wir unterstützen. In größerer Konsequenz eine Entscheidung darüber, in was für einer Welt wir leben möchten.

Allerdings wäre es in der Praxis schon sehr schwierig, uns vor dem Kauf jeder Tomate ausführlich darüber zu informieren, unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen für Mensch und Umwelt sie produziert worden ist. Dasselbe gilt für alle anderen Waren, die wir konsumieren: Kleidung, Strom, Technik, Möbel, Papier – um nur ein paar zu nennen. Erschwerend kommt hinzu, dass es inzwischen kritische Stimmen zu ehemals Hochgelobtem gibt wie Fair Trade, Energiesparlampen, Wasser- und Windkraft.

Etiketten = Knobelaufgabe für LebensmittelchemikerInnen

Außerdem gilt: Wir Menschen sind verführbar – ganz besonders durch Werbung und sonstiges Marketing. Auch hier haben wir natürlich die Entscheidungsbefugnis darüber, von wem wir uns verführen und wovon wir lieber die Finger lassen. Doch selbst wenn die ach so mündigen VerbraucherInnen die Etiketten lesen, so ist auch dort vor allem eins zu finden: Werbung, die mit unabhängiger Information nichts zu tun hat. Dazu kommt, dass viele Zutatenlisten eine Knobelaufgabe für LebensmittelchemikerInnen sind. Woher also sollen wir wissen, was in unseren so genannten Mitteln zum Leben enthalten ist? Dasselbe gilt übrigens für Tierfutter.

Und so ist es kaum verwunderlich, dass dieselben Menschen, die wohl keine 3,69 Euro für das Pfund Bio-Kaffee von Aldi ausgeben würden, nun sogar 60 Euro das Kilo für normalen Kaffee und jede Menge Müll zahlen – in Form von Kapseln und Pads. Für den Fall, dass George Clooney eines Tages vor der Tür steht …

Was können wir also tun, wenn wir keine verantwortungslosen Konsum-Opfer sein wollen? Nun, sofern uns unsere Ernährung und die unserer tierischen FreundInnen nicht am A… vorbeigeht, bleibt uns wohl wirklich nur, uns so gut zu informieren wie irgendwie möglich. Das Internet und Organisationen wie „foodwatch“ und die Verbraucherschutzzentralen bieten schon einiges dazu. Außerdem sollten wir – und das gilt für alle Produkte gleichermaßen – unseren gesunden Menschenverstand eingeschaltet lassen, wenn wir Werbung und Marketing-Gelabere konsumieren. Zwischen den Zeilen zu lesen, hören und sehen erfordert zwar auch wieder Mühe, die sich aber lohnt, wenn wir das wollen. Unsere Macht können wir außerdem dazu einsetzen (an einem geruhsamen Tag oder so), die Firmen direkt anzuschreiben oder anzurufen und die Informationen zu verlangen, die wir haben wollen.

Zurück zur Natur

Außerdem könnten wir die Entscheidung treffen, unseren Konsum so weit wie individuell möglich dem Prinzip „back to nature“ zu unterwerfen. Bei der Ernährung beispielsweise hieße das, Produkte zu wählen, die zum einen wenig bis gar nicht verarbeitet sind und zum anderen weitestgehend unseren eigentlichen, das heißt natürlichen wie individuellen Bedürfnissen, entsprechen.

Dass (Balkon-)Gärtnern, Foodsharing und Bücher über vegane Ernährung derzeit im Trend sind, stimmt mich hoffnungsfroh. Hier sind Menschen am Werk, die sich Gedanken über ihr Ernährungsverhalten gemacht und daraus ihre Konsequenzen gezogen haben. Konsum mit Achtsamkeit – ich würde mir wünschen, dass dieser Trend zur immerwährenden Gewohnheit wird.

Bild: pixaby.com / DIYcreation

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