Schlechte Texte, Postings und Pressemitteilungen Warum ich nie wieder Es ist wieder soweit lesen will

Warum ich nie wieder „Es ist wieder soweit“ lesen will!

Als Lokaljournalistin hatte ich das „Glück“, einige Erfahrungen mit schlechten Pressemitteilungen zu machen. Im Folgenden ein subjektiver Erfahrungsbericht mit Tipps, wie es besser geht – auch in Facebook-Postings und Tweets. 

Dieser Artikel erschien zuerst in einer etwas abweichenden Form als Geistbeitrag im Magazin „pressesprecher“.

Um es gleich vorwegzunehmen: KeinE RedakteurIn und keinE freie MitarbeiterIn ist versessen darauf, Pressemitteilungen zu erhalten. In der Redaktions-Realität sieht es eher so aus, dass die Informationsflut kaum zu bewältigen ist. Unaufhörlich schneien Mails herein, dazu müssen die Meldungen der Presseagenturen gecheckt werden. Zu guter Letzt (auch auf der Beliebtheitsskala) kommen Anrufe von Pressestellen, die fragen, ob ein redaktioneller Mitarbeiter zu ihrer Pressekonferenz erscheint oder ob die natürlich total wichtige Pressemitteilung (PM) angekommen ist. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

In diesem Umfeld ist es wahrlich nicht leicht, mit einer Pressemitteilung zu punkten. Die Chance erhöht sich, wenn die Pressemitteilung inhaltlich und sprachlich gut gestaltet ist. Dazu ein paar Tipps aus der persönlichen Erfahrung:

Das Interessante muss an den Anfang. Denn da die Zeit eines jeden Journalisten begrenzt ist, wird er eine Pressemitteilung, die erst am Ende spannend ist, kaum bis dahin lesen.

Bei einer E-Mail muss der Betreff kurz und knackig sein, damit der Anreiz größer ist, sie zu öffnen.

Apropos spannend: Journalisten lassen sich ungern vorschreiben, was sie wie finden sollen. Deshalb darf eine Pressemitteilung keinen werblichen Charakter haben. Sehen Sie also von Formulierungen wie „unsere Veranstaltung wird Sie begeistern“ ab. Besser ist es, Sie beschreiben indirekt, was bestenfalls begeisternd ist.

Haben Sie beim Entwickeln und Schreiben der Pressemitteilung nicht nur den Journalisten, sondern auch die Leser des Mediums im Kopf. Welchen Nutzen bringen Sie ihnen? Denn natürlich muss jeder Journalist auch danach schauen, ob ein Thema beim Leser ankommt und wie.

Womit Journalisten bisweilen zu ködern sind, sind Zahlen. Wann immer Sie also mit einer nicht allzu kleinen Zahl aufwarten können – etwa Mitglieder-, Teilnehmer- oder Nutzerzahl – nennen Sie sie. Neben den nackten Zahlen sollten Formulierungen wie „der größte Verband für XY“ nur gewählt werden, wenn sie wirklich inhaltlich stimmen.

Und noch zwei ganz persönliche Anliegen:

Den oft gewählten Einstieg „Es ist wieder soweit“ möchte ich bitte nie wieder lesen! Aus mehreren Gründen:

Eben weil dieser Einstieg sehr beliebt ist, lockt er wirklich niemanden hinterm Ofen (oder Redaktionsschreibtisch) hervor.

Er ist langweilig! Arbeiten Sie lieber das Besondere an der bevorstehenden Veranstaltung heraus.

Der Satz ist der neuen Rechtschreibung gemäß falsch! „Soweit“ wird nur noch zusammengeschrieben, wenn die Konjunktion gemeint ist; etwa in dem Satz: „Soweit ich weiß, ist das so.“ In allen anderen Fällen wie auch diesen muss es „so weit“ heißen.

Auch und gerade bei Facebook, Twitter und Co. sollte es interessante und richtige Ankündigungen geben, denn bei der Unzahl und der Schnelligkeit, mit der Infos gepostet werden, ist es mindestens genauso schwierig, Aufmerksamkeit zu erregen wie in den Redaktionen. Also bitte auch auf Facebook und Twitter auf „Es ist wieder soweit“ verzichten. Danke!

Vergessen Sie keine wichtige Information.

Das hört sich selbstverständlich an. Doch tatsächlich hatte ich schon unvollständige Pressemitteilungen in den Händen – etwa eine Einladung, in der die Hausnummer des Veranstaltungsorts fehlte. Obwohl schon das das K.o.-Kriterium für eine Pressemitteilung sein kann, bekam ich den Auftrag, zu dem Termin zu fahren. Die fehlende Hausnummer stand nicht mal im Internet, und telefonisch war der Verein auch nicht erreichbar – abgesehen davon, dass eine rasende Reporterin normalerweise keine Zeit hat, eine fehlende Info zu recherchieren. Deshalb fütterte ich mein Navi ohne Hausnummer – und kam nach längerer Herumkurverei zu spät zu dem Termin. Sehr ärgerlich für mich, aber natürlich auch für den Verein, dem ja eigentlich daran gelegen sein sollte, dass die beauftragte Journalistin schnell und stressfrei zu ihm findet.

Wichtige Informationen, die in keiner Pressemitteilung fehlen dürfen, sind:

Der Anlass der Pressemitteilung und der Veranstaltung sollte auf den ersten Blick ersichtlich sein

was, wann, wo findet etwas statt? Genaue und korrekte Adresse

Ansprechperson und Telefonnummer für Nachfragen

weitere Infos über den Versender (Firma, Verein, Verband …) am Ende der Pressemitteilung

Achten Sie auf inhaltliche wie sprachliche Korrektheit

Auch das sollte eigentlich klar sein, ist es aber offenbar nicht immer. So war beispielsweise in einer Pressemitteilung der Kölner Stadtteil Roggendorf/Thenhoven in gleich drei Versionen geschrieben – in den Augen einer Lokaljournalistin wirkt das nicht gerade professionell. Fehler passieren natürlich überall. Um sie zu vermeiden, sollte für Pressemitteilungen – und im Übrigen für jeden Text – das „Mehr-Augen-Prinzip“ gelten; das heißt, dass mindestens eine weitere Person die Pressemeldung gelesen und auf inhaltliche und formelle Fehler überprüft haben sollte. Diese Person muss selbstverständlich der Rechtschreibung und Zeichensetzung mächtig sein und am besten zudem etwas vom Thema verstehen. Kleinere Firmen oder Vereine können diese Dienstleistung an einen freiberuflichen Lektor auslagern. Der passende Lektor – d. h. einen, der Unternehmenskommunikation oder Werbelektorat zu seinen Fachgebieten zählt – ist beispielsweise in der gerade neu aufgelegten Online-Datenbank des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren e. V. (VFLL) zu finden.

Es gehört also einiges zu einer gelungenen Pressemitteilung. Doch ist sie korrekt und vollständig, macht sie einen guten Eindruck beim Empfänger. Das ist der erste und vielleicht sogar wichtigste Schritt auf dem Weg, eine Pressemitteilung in die Presse zu bringen.

 

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